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Warum berechnen Banken Negativzinsen? – einfache Erklärung

Negativzinsen muss jeder an die Bank zahlen, der Einlagen dort verwahrt, weswegen sie auch Minuszinsen oder Strafzinsen genannt werden. Banken aber bevorzugen den Begriff „Verwahrentgelt“, da dieser positiver klingt. Das Verwahrentgelt ist das Gegenteil des Guthabenzinses.
Doch warum verlangen Banken überhaupt Geld für das Aufbewahren von Geldern? Mit dieser Frage werden wir uns im Folgenden beschäftigen.

Die Entstehung des Negativzinses

Für den Negativzins gibt es 2 Gründe, zum einen die Kosten, welche Banken an die Europäische Zentralbank (EZB) zahlen müssen, und zum anderen, damit ausländisches Kapital abfließt.

Ein gutes Beispiel dafür geschah 1970 in der Schweiz. Damals parkten viele Ausländer Kapital bei Schweizer Kreditinstituten zwischen, was zu einer massiven Aufwertung der Schweizer Franken führte. Das wiederum hatte zur Folge, dass die Exporte teurer wurden, was sich negativ auf die wirtschaftliche Lage in der Schweiz auswirkte, sodass man Negativzinsen auf ausländisches Kapital erhob.

Nicht nur wir zahlen eventuell Negativzinsen, wenn wir Kapital bei der Bank verwahren, auch die Bank zahlt wiederum Negativzinsen, wenn sie das Geld bei der Europäischen Zentralbank einlegt. Der Negativzins liegt derzeit bei 0,5 Prozent pro Jahr, immer mehr Banken geben sie an ihre Kunden weiter, um zu verhindern, dass Kunden große Beträge anlegen. Bei einzelnen Banken liegt der Prozentsatz bei bis zu -1. Doch es gibt, je nach Bank, einen Freibetrag zwischen 25000 und 100000 Euro.

Wie kann man Negativzinsen vermeiden?

Banken ohne Negativzins

Zwar werden es immer weniger Banken, die keinen Negativzins berechnen, aber noch ist es möglich, auch ohne Beachtung eines Freibetrages, auf das Verwahrentgelt zu verzichten, und zwar bei folgenden Banken, die, Stand 05.04.2022, keine Negativzinsen berechnen:

  • Santander
  • Fidor Bank
  • KT Bank
  • C24
  • Renault Bank
  • Volkswagen Bank
  • Ziraat Bank
  • Openbank
  • Und viele regionale Sparkassen

Ansonsten können Sie darauf achten, dass Sie immer unter dem Freibetrag ihrer Bank bleiben und das restliche Geld anders verwahren.

Wonach wird die Höhe des Negativzinses berechnet?

Laut den meisten Banken ist das Entgelt unvermeidbar, es liege an der Zinspolitik und sei deren Folge, allerdings verschweigen sie, dass die EZB ihnen eine größere Freigrenze einräumt. Zudem parken sie nur einen Teil des Geldes bei der EZB. Tatsächlich dürfen die Banken die Höhe des Negativzinses, den ihre Kunden zahlen müssen, selbst bestimmen. Kunden mit Altverträgen müssen aber keine Bange haben, dass ihnen bei laufenden Verträgen plötzlich Negativzinsen berechnet werden, da dies laut einem Urteil vom Landgericht Tübingen, welches 2018 gefällt wurde, nicht erlaubt ist.
Ob man bei einer Neueröffnung aber eine Unterschrift vom Kunden braucht, um einen Negativzins zu erheben, ist bis heute unklar und strittig.

Aufmunternde Information

Die Zinsen steigen immer mehr, wir haben immer weniger Geld zur Verfügung. Aber ist das denn wirklich so? Wollen wir uns die Fakten anschauen und unser Gehirn davon abhalten, uns hinters Licht zu führen:

Der Realzins ist die entscheidende Größe bei der Frage, wie sich der Wert des Geldes über die Zeit entwickelt. Negative Realzinsen sind keineswegs neu, es gab sie auch schon in den heute rückwirkend so hoch gelobten guten alten Zeiten des Sparens. Und ja, damals sah der Bankzins gut aus, wurde aber von der Inflation aufgezehrt.

Dem menschlichen Gehirn gefällt es besser, wenn es 5 Prozent Zinsen, statt 0,5 Prozent gibt, obwohl in beiden Fällen die Inflation höher ist als der nominale Zins und man sich von seinem Geld genau die gleichen Produkte kaufen könnte.

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